Kunsthaus Grimme bei der Arbeit...

Barockkommode

1 web frei

 

Vierschübige Barockomode, doppelt gebauchte, auf Quetschfüßen stehender Korpus,

Nussbaum furniert mit Ebenholz, Ahorn und Obstholz – Fadeneinlagen,

original Beschlagwerk, Messingguss feuervergoldet.

 

 

Zustand vor Restaurierung

Schon auf den ersten Blick fallen die vielen Furnierschäden auf, welche sich aufgrund von Temperaturunterschieden und Feuchtigkeit gebildet haben.

So sind einige Schwundrisse, aber auch viele gelöste bzw. fehlende Furnierstellen zu erkennen. Der Lack auf der Oberfläche ist durch UV - Strahlung ausgeblichen, das Korpus – Innenleben stark verschmutzt.

Durch die regelmäßige Benutzung der Schubladen sind deren Böden, sowie die Laufleisten ausgelaufen.

Die sekundär angebrachten Fußelemente (im Wiener Barockstil) fallen ebenfalls ins Auge.

 

Restaurierungsmaßnahmen

Zu Beginn der Restaurierung werden die Beschläge demontiert, teilweise verbogene Stellen ausgebessert und die Oberfläche sanft gereinigt.

Um an das Innenleben der Kommode zukommen wird die Rückwand entfernt 1, und die an den Kommodenseiten eingenuteten Laufleisten werden heraus geklopft.

Die sekundär angebrachten Beine werden ebenfalls entfernt, da sie stilistisch nicht dem Originalzustand entsprechen. Diese werden zu einem späteren Zeitpunkt durch original- getreue Quetschbeine ersetzt.

Im ersten Schritt ist die Bearbeitung der einzelnen Schübe an der Reihe.
Dabei werden die alten originalen Schlösser heraus geschraubt, gereinigt und anschließend neu eingestellt.
Auch ein neuer, originaler Schlüssel wird so bearbeitet, dass er an allen vier Schlössern funktioniert.
Da einzelne Schubladenböden Risse und ausgelaufene Stellen aufweisen, müssen neue Holzelemente eingesetzt und angepasst werden.
Auch in diesem Arbeitsschritt sind Stahlnägel - aus früheren Restaurierungsarbeiten zu entfernen. Diese werden durch geschnitzte Holznägel ersetzt.

Die ausgelösten Laufleisten werden teilweise dubliert, bzw. neu ergänzt und wieder in die dafür vorgesehenen Nuten eingeklopft.
Für die unterste Schublade wird eine neue Laufleiste am Korpusboden eingeleimt 2.
Neu ergänzte Teile werden nachträglich noch farblich angebeizt.

Der aufwendigste Teil der Restaurierung besteht in der Bearbeitung des Furniers.

Viele aufgeplatzte Stellen an Korpus und Schüben müssen gelockert bzw. entfernt, gereinigt und neu verleimt werden.
Auch fehlende Furnierstellen werden durch altes Furnier ausgebessert und ergänzt 3. Für die Verleimungen sind in jedem einzelnen Schritt immer wieder viele Schraubzwingen anzubringen, um die auf die Furniere den notwendigen Druck ausüben zu können.

Die Behandlung der Oberfläche steht nun im Vordergrund.

Die nicht furnierten Elemente werden dabei gereinigt.
Der ausgeblichene Lack auf den einzelnen Furnieren muss komplett abgenommen werden. Die jetzt gesäuberten Oberflächen werden mit Halböl 4 imprägniert.
Anschließend wird auf die sichtbaren furnierten Stellen in mehreren Schritten eine Schellackpolitur von Hand aufgetragen 5.

Abschließende Holzarbeiten sind das Anbringen der neu verleimten Rückwand mittels Holznägel, die Einstellung der einzelnen Schubläden mittels angeleimter und farblich angepasster Führungsleisten, und die Befestigung der neu gedrechselten Quetschbeine 6.

In einem letzten Arbeitsschritt werden die gereinigten Messingbeschläge wieder montiert.


 

1 Bei früheren Restaurierungsmaßnahmen wurde die Rückwand mittels Stahlstifte befestigt, was jedoch nicht einem Originalzustand entspricht. Alle Nagel - Stellen wurden zur Barockzeit mittels selbst gefertigter Holznägel gefestigt.
2 Bei allen Leimarbeiten wird der auch zu früheren Zeiten gängige Knochenleim angewendet.
3 Die in früheren Restaurierungsarbeiten eingesetzten Furniere werden beibehalten und integriert
4 Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Leinöl und anderen Ölen.
5 Eine Schellackpolitur muss in vielen Arbeitsschritten von Hand mit einem Polierballen aufgetragen werden. Nach gewissen Trocknungszeiten wird dieser Vorgang so lange wiederholt bis eine glänzende Oberfläche erreicht ist.
6 In der Barockzeit ist diese Form der Beine an fast allen Kommoden anzufinden.